Kirche zu Buchholz

In Ordnung bringen – ein Versuch

Rückblick: IN ORDNUNG BRINGEN ... ein Versuch

Mit ihrer Ausstellung hat die Künstlerin Sieglinde Mix an ein Verbrechen erinnert. Fünf junge Männer, fast noch Kinder, werden im Frühjahr 1946 unter falschem Verdacht verhaftet und verurteilt. In der Nachkriegszeit und in der DDR konnten und durften diese Ereignisse nicht öffentlich erzählt oder gar diskutiert werden. Aber auch nach dem Ende des von den Sowjets errichteten sozialistischen Staatswesens blieb diese unheilvolle Buchholzer Epiosode weitgehend im Dunkel der Geschichte verborgen. In der Kirche installierte die Künstlerin drei große Banner, die den gesamten Kirchenraum überspannten. Diese Banner nehmen ein Fotomotiv von Buhnen am Ahrenshooper Strand auf. Die Reihen von Buhnen gemahnen an die Gräberreihen eines Soldatenfriedhofs. Auf dem Kirchhof wurden zwischen den Bäumen Fahnen mit Schatten-Gestalten aufgehängt. Auch wenn die Fahnen sich im Wind bewegten, standen die Schatten doch wie versteinert da, als erwarteten sie etwas oder jemanden – vielleicht in’s Gedenken vertieft – nicht als lebendige Zeitgenossen freilich, sondern wie Schatten ihrer selbst als längst dahingegangene Menschen, die nicht abgeschlossen haben, mit dem, was geschehen ist, für die vielmehr noch etwas offen bleibt, was nicht einzuordnen ist in die sonstigen Lebens- und Welterfahrungen.
In der letzten Augustwoche hatten 16 Schülerinnen und Schüler einer 9ten Klasse der Baltic-Schule aus Toitenwinkel – angeleitet von Sieglinde Mix und begleitet von Gabriele Struck – Gedenkbretter für die fünf Buchholzer Jugendlichen gefertigt. Sie wurden in der Kirche unter der Orgelbrücke aufgestellt. Wunden heilen – Verbrechen erinnern. Ein Wagnis, ein Versuch, in Ordnung zu bringen, was doch nicht in Ordnung zu bringen ist.
Die Jugendlichen Rudolf Rathke, Heinz Mau, Walter Kahlau, Heinz Lüthens und Werner Sommerfeld, denen die Gedenkbretter gelten, wurden im Frühjahr 1946 in Buchholz durch den russischen Geheimdienst unter falschen Anschuldigungen verhaftet und durch ein Militärtribunal verurteilt. Werner Sommerfeld wurde erschossen, die vier anderen zu 10 Jahren Lagerhaft verurteilt. 1993 wurden alle fünf durch ein russisches Gericht rehabilitiert.